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"Pflegekräfte sind die Elite dieses Landes"

Der Patienten- und Pflegebeauftragte Hermann Imhof im NZ-Interview

01.02.2017

Für den Patienten- und Pflegebeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof, sind sie die wahre Elite unseres Landes: Pflegekräfte. Warum sie so schlecht bezahlt werden und warum sich das ändern muss, sagt er im NZ-Interview.

NZ: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat versprochen: 2017 wird ein gutes Jahr für die Pflege. Das Pflegestärkungsgesetz bringt Pflegebedürftigen Verbesserungen. Die Altenpfleger indes fühlen sich vergessen – vor allem finanziell. Zu Recht?

Hermann Imhof: Kernstück des Pflegestärkungsgesetzes II ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes, der am 1.Januar in Kraft trat. Zentral ist die neue Form der Begutachtung und die damit verbundene Umstellung der bisherigen Pflegestufen auf die neuen fünf Pflegegrade mit entsprechend angepassten Leistungsbeträgen aus der Pflegeversicherung. In Zukunft werden körperliche, geistige und psychische Einschränkungen gleichermaßen erfasst und in die Einstufung mit einbezogen.

NZ: Reicht das?

Imhof: Ich begrüße zwar die Leistungsverbesserungen für Pflegebedürftige, sage aber auch: Eine menschenwürdige Pflege braucht vor allem Pflegepersonal. Pflege ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, und deshalb muss sie auch leistungsgerecht bezahlt werden. Meiner Meinung nach sind Altenpfleger deutlich unterbezahlt. In der Bezahlung zeigt sich auch die Wertschätzung für eine Tätigkeit. Wenn uns Pflege wichtig ist, muss uns klar sein: Es gibt sie nicht zum Nulltarif. Wir müssen bereit sein, dafür in Zukunft deutlich mehr auszugeben.

NZ: Warum werden Altenpfleger immer noch so schlecht bezahlt?

Imhof: Das hängt vor allem damit zusammen, dass das Thema Pflege noch immer nicht den Stellenwert in der Gesellschaft hat, den es dringend bräuchte und den es auch verdient. Bei der Versorgung der unter 3-Jährigen mit Krippenplätzen haben wir in den letzten Jahren gesehen, was gesellschaftlicher und politischer Druck bewirken kann. Genau so eine Bewusstseinsbildung wünsche ich mir für die Pflege allgemein und die Pflegekräfte im Besonderen. Verbesserungen in der Pflege sind natürlich mit viel Geld verbunden. Deshalb wurde die Pflegeversicherung in dieser Legislaturperiode um 0,5 Prozent angehoben. Aber uns hat der Mut gefehlt, den Beitrag zur Pflegeversicherung auf 1,0 Prozent anzuheben. Das hätte fünf Milliarden Euro pro Jahr gebracht – und damit die Möglichkeit, Pflegekräfte besser zu bezahlen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Pflegeversicherung weiter erhöht werden muss, stelle aber auch fest, wenn jeder Einzelne 30 Euro mehr pro Monat für die Pflege bezahlen muss, dann hält man das für nicht zumutbar.

NZ: Junge Menschen für die Altenpflege zu gewinnen, ist äußerst schwierig. Und wenn sie es doch machen, verschweigen sie ihre Berufswahl oft im Bekanntenkreis. Ist das nicht grotesk?

Imhof: Natürlich ist es das. Für mich sind Pflegekräfte die echte Elite dieses Landes. Aber solange Eltern ihren Kindern raten, bloß nicht in die Pflege zu gehen, sondern lieber irgendetwas Sauberes und gut bezahltes mit IT zu machen, bleibt die Lage schwierig. Und junge Altenpfleger werben wegen der fehlenden gesellschaftlichen Unterstützung nicht für ihren Beruf. Das muss sich dringend ändern. Schon in der Ausbildung fühlen sich Pflegekräfte häufig ausgenutzt. Ihnen wird von Anfang an zu viel zugemutet, der Lerneffekt kommt viel zu kurz. Deshalb ist die Abbrecherquote hoch. Um das zu verhindern, braucht es genug Pflegepersonal auf der Station, damit eine fachlich fundierte Ausbildung stattfinden kann. Und wir brauchen deutlich mehr gesundheitliche Prävention für Pflegende, damit sie ihre Gesundheit erhalten. Sport-, Rücken-, Entspannungs- und Ernährungsprogramme gehören dazu. Aber ich bin fest überzeugt: Wir gewinnen nur dann mehr Fachkräfte in der Altenpflege, wenn Pflegekräfte in der Praxis ihren Beruf so ausüben können, wie sie es gelernt haben. Und das heißt: Mehr Personal führt zu besseren Arbeitsbedingungen und letztendlich zu einer Menschen zugewandten Pflege.


Die Fragen stellte Stephanie Rupp

Quelle: Nürnberger Zeitung, 31. Januar 2017



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